Writing 101 – Aufgabe 2: A room with a view

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Und schon folgt die 2. Aufgabe der Blog-Challenge. Diesmal geht es um eine Beschreibung.

If you could zoom through space in the speed of light, what place would you go to right now?

Staub tanzt in einem schmalen Streifen Licht, der durch das Fenster fällt. Es leuchtet in der Farbe von reifem Weizen. Über den Dächern der Stadt versinkt langsam die Sonne. Im Haus gegenüber werden Fenster geöffnet, der kühler werdende Abendhauch strömt in die aufgehzeiten Räume. Die weißen Vorhänge meines Zimmers bewegen sich leicht in der Brise. Auf dem warmen, abgeschliffenen Parkett liegt im letzten Fleckchen Sonne eine dicke, zufrieden schnurrende Katze. Es ist nicht meine Katze, sie gehört den Besitzern des Hauses, aber sie ist gern hier oben, unter dem Dach. Das Haus ist alt, mit dicken Mauern und dunklen Balken, der Boden ist ein wenig schief und die weiße Kalkfarbe an den Wänden blättert an einigen Stellen ab. Das Zimmer riecht nach Holz, nach Lavendelseife und ein wenig verstaubt. Selbst mittags wird es nicht zu warm hier drin. Ein breites Bett steht mitten im Raum, ein Schrank an der Wand und ein großer Schreibtisch aus dunklem Holz direkt vor dem Fenster. Hier sitze ich und beobachte die Welt.

Zwei Häuser weiter gibt es eine Kneipe. Tische stehen vor dem Gebäude auf der Straße. Rot-weiß-karierte Tischdecken aus Papier, große Karaffen mit Rotwein, Brotkörbe, Wasserflaschen. Teller mit gebratenem Fleisch, dessen Duft bis zu mir hochsteigt, werden vor die Gäste gestellt. Die meisten kennen sich und den Wirt, sie kommen zum essen und bleiben für noch ein Glas Wein und noch eine Geschichte. Wenn es längst dunkel ist, wird manchmal Musik gespielt, Lieder, die alle kennen. Gemeinsam singen sie und ich höre zu, auch wenn ich die Worte nicht verstehe.

Gegenüber ist ein kleiner Laden, in dem man Brot und Butter und frisches Obst kaufen kann, selbstgemachte Limondade und eingelegtes Gemüse. Morgens mahlt der Besitzer Kaffeebohnen und kocht daraus starken, duftenden Kaffee, den er zum Mitnehmen verkauft. Im Nebenhaus wird Seife und Parfüm verkauft, drei Häuser weiter Küchengeräte und am Ende der Straße gibt es einen Schuster. Im Rest der Häuser wohnen Familien, junge und alte Paare, alleinstehende ältere Herren, Frauen mit Katzen, Studenten mit Wellensittichen, Großeltern, Tanten, Neffen, Cousins. Ich sehe sie auf der Straße, wie sie eilen oder schlendern, hasten oder schleichen, plaudernd oder schweigend, missmutig oder fröhlich pfeifend. Ich kenne sie nicht. Es genügt mir, von hier oben auf sie herunterzusehen. Sie sind wie die kleinen Figuren in einer kunstvoll aufgebauten Modelleisenbahn, ein kleiner Mikrokosmos vor meinem Fenster.

Vor mir, auf dem Schreibtisch, dessen dunkles Holz von vielen Jahren blankgeschliffen ist, liegt ein Stift und weißes, unbeschriebenes Papier.

Today, choose a place to which you’d like to be transported if you could — and tell us the backstory. How does this specific location affect you? Is it somewhere you’ve been, luring you with the power of nostalgia, or a place you’re aching to explore for the first time?

Ich habe keinen Ort beschrieben, den ich kenne oder an dem ich schon einmal war und auch keinen, der real existiert. Es war vielmehr die spontane Wunschvorstellung von einem Platz, an dem ich Zeit und Raum hätte, um schreiben zu können. Ohne Ablenkung, ohne Leute zu kennen, ohne Verpflichtungen und ohne Gesellschaft. (Okay, die Katze musste sein. *g*)