Möwen

7

Am Fenster flogen gerade Möwen vorbei, und das macht mich traurig. Möwen machen mich immer traurig, wenn ich sie hier in der Stadt sehe. Weil sie eigentlich ans Meer gehören, und wenn sie dann schreien, hört es sich für mich immer so an, als wollten sie nach Hause.

Wenn ich Möwen sehe, möchte ich auch ans Meer. Und zwar nicht geplant und organisiert, nein, ich möchte in mein Auto steigen und losfahren, ohne irgendwas einzupacken, ohne irgendwelche Sollteabers, Müsstedochs und Kannnichts, und dann einfach fahren und fahren, bis ich am Meer stehe. Ich habe das schon so oft gewollt, dass in meinem Kopf ein Film davon existiert, ohne dass ich jemals wirklich losgefahren bin.

Der Film endet, wenn ich am Strand stehe, in dem Moment, wo der Himmel und das Meer vor mir zu Ewigkeit werden. Es existieren keine Gedanken dazu, wann ich zurückfahre. Ob ich zurückfahre. Wie lange man im Januar am Meer stehen kann, bis man erfriert.

Es existieren in meinem Kopf auch keine Hindernisse, kein Stau, kein leerer Tank, keine Strandgebühr, keine Parkplatzsuche. Es gibt nur mich, die Straße und am Ende das Meer, vielleicht noch die Erinnerung an Wind und laute Musik. Ein Medley aus allen Liedern, die ich je für lange Autofahrten auf CD gebrannt habe. I wrote this novel just for you.

Manchmal hasse ich die Möwen.