Romantik, elende.

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[Ich schreibe hier über Hintergründe und Entstehung dieser Kurzgeschichte und spoilere auch deren Inhalt, also, wenn ihr sie noch nicht gelesen habt, am besten erstmal hier klicken 😉 ]

Auch wenn ich nicht weiß, ob es jemanden interessiert, wollte ich mal über die Entstehung meiner letzten Geschichte schreiben, weil ich dadurch mal wieder ein paar neue Erkenntnisse über meinen Schreibprozess hatte.

Zunächst mal will ich aber eine kleine Erklärung für alle bereitstellen, die das Universum, in dem das Ganze spielt, nicht kennen. Ihr habt alle brav „The Big Bang Theory“ oder „Community“ geschaut und wisst deswegen, was ein Fantasy- Rollenspiel ist? Ja? Wenn nicht, gibt es hier eine Erklärung. Eins der ältesten und bekanntesten deutschen Rollenspiele ist Das Schwarze Auge und in dessen Welt, nämlich dem fiktiven Kontintent Aventurien, spielt die Geschichte. Das beschriebene Setting ist im Prinzip einfach ein nördliches Grasland, vielleicht so ein bisschen wie eine flache Landschaft in Schweden, das muss man sich jetzt gar nicht so abgehoben vorstellen; die Zeit entspricht so irgendwas zwischen Früh- und Spätmittelalter. Und da gibt es halt ein kleines Dorf, in dem die beiden Hauptfiguren wohnen. Soweit, so gut.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Nivesen, ein Volk von Nomaden, die mit ihren Viehherden (die Tiere heißen Karene und sind sowas wie Antilopen) durch den Norden ziehen. Im Sommer und Winter bleiben sie jeweils länger an einem Ort, ehe sie dann im Frühling/Herbst wieder aufbrechen. Sie richten ihr Leben ganz nach dem Wandern mit der Herde aus und sind sehr naturverbunden. Ihre spirituellen Führer sind die Schamanen (Kaskju), die auch tatsächlich zaubern können (Fantasy-Welt halt). Die Nivesen glauben an die Himmelswölfe, ein Pantheon verschiedener Wolfsgestalten, die für verschiedene Aspekte des Lebens stehen. Sie haben deswegen auch eine besondere Beziehung zu Wölfen und einige von ihnen, die so genannten Wolfskinder, können sich auch tatsächlich in Wölfe verwandeln. Nicht unwillentlich bei Vollmond wie ein Werwolf, sondern mit Absicht. Wobei es beim „Erwachen“ dieser Fähigkeit im jugendlichen Alter halt auch mal aus Versehen passieren kann, wenn die Person wütend ist, Schmerzen hat, erregt ist, usw.

So, ich glaube, das ist an Hintergrund alles, was man für die Geschichte so wissen muss.

Wenn man in einem „vorgefertigten“ Universum schreibt, hat das natürlich Vor- und Nachteile, die wohl auf der Hand liegen. Man kann sich nicht alles Mögliche ausdenken, sondern muss in der Welt bleiben, im Gegenzug hat man aber auch sehr viel Hintergrund, aus dem man schöpfen kann. Zudem ist die DSA-Welt so groß und vielfältig, dass man eigentlich so ziemlich jeden „Fäntelalter“-Ansatz unterbringen kann, der einem einfällt.
Die Nivesen habe ich mir als Thema ausgesucht, weil ich sie spannend finde und weil es zu ihnen auch noch nicht Dutzende von Geschichten gibt. Ich habe aber bewusst als Erzähler denjenigen gewählt, der am wenigsten über die Nivesen und ihre Kultur weiß, damit die Leser sozusagen zusammen mit Elpje mehr über sie erfahren.

Und was ist nun mit der elenden Romantik?

Nun ja. Nachdem die letzten beiden Geschichten, die ich schrieb, eher düster waren, wollte ich diesmal etwas romantisch-melancholisches Schreiben. Etwas, was dieses Gefühl einfängt, das man hat, wenn man auf etwas zurückblickt und weiß, dass es vorbei ist, aber nichts davon bereut, weil es schön war.
Deswegen habe ich mich entschieden, eine Liebesgeschichte zu schreiben, die kein Happy End hat. Ich fand ja, dass die Geschichte am Ende eigentlich trotzdem noch ganz nett ausgeht, da zumindest eine der Personen die Bestimmung in ihrem Leben gefunden hat – die bisherigen Leser waren da eher anderer Meinung und fanden das Ende ziemlich traurig.

Tja, und dann diese elende Romantik. Junge und Mädchen, erste Liebe, Sommer, laue Nächte, Verheißung liegt in der Luft … und ich verzweifelte beim Schreiben. Ich war im Stress, die Geschichte musste fertig werden, nebenher waren neben Arbeit und Terminen noch viele andere Sachen zu tun, und statt irgendwie halbwegs in die Stimmung zu kommen, die der Text vermitteln sollte, war ich eher in einem „Narfgnahscheißtext, gehorche mir!!“-Modus. Und dann fiel mir auch noch kein toller erster Satz ein, was – ich schrieb ja schon über meine Erster-Satz-Manie – natürlich besonders blöd war.

Hinzu kommt, dass ich irgendwie immer noch die elendige, romantische Vorstellung habe, dass ich einfach nur warten muss, bis ich in der richtigen Stimmung bin und genug Zeit habe, damit der Text dann quasi in einer Welle von Kreativität einfach aus mir herausfließt. (Das Blöde daran ist, dass ich dieser Meinung bin, weil das ein paar Mal auch wirklich genauso funktioniert hat.) Nun kann man aber nicht drauf warten, dass einen das Kreativitätsatom trifft, wenn man eine Deadline hat. Also hab ich mich notgedrungen hingesetzt und losgelegt. Dabei habe ich dann, weil ich nicht wusste, wie ich anfangen soll, erstmal mit der Szene begonnen, die ich schon einigermaßen im Kopf hatte und mich dann Szene für Szene vorgearbeitet, mal zu Hause am PC, mal im Café mit Notizbuch und Kugelschreiber. Meine besondere Angst-Szene war die Liebesnacht. Es war nämlich tatsächlich das erste Mal, das ich eine (wenn auch sehr harmlose) Sex-Szene geschrieben habe. Und dann natürlich auch gleich aus Sicht des anderen Geschlechts und noch dazu erzählt von einem 15-jährigen Jungen. Argh! Schlussendlich hab ich an einem Tag dann bis ziemlich spät nachts (für meine Verhältnisse) daran geschrieben, es dann einfach abgespeichert und gehofft, dass ich es beim Lesen am nächsten Tag nicht total scheiße finde. War dann zum Glück nicht so.

(Aber, und das ist weniger witzig, das lange Wachbleiben und Schreiben war im Nachhinein eine wirklich blöde Idee. Ich dachte zwar erst „naja, bin ich halt nen Tag lang müde, ist ja nicht so schlimm“. Tatsächlich habe ich dann eine Woche flachgelegen, weil ich einen so üblen Migräneanfall hatte, dass ich an einem Tag sogar den Notarzt rufen musste *seufz*. War also doch nicht so die beste Idee aller Zeiten.)

Jedenfalls hab ich inzwischen wohl wirklich mal verstanden, dass es durchaus funktioniert, auch zu schreiben, wenn man eigentlich grad nicht in der Stimmung ist. Dass ich einen Text nicht von vorne bis hinten in einem Guss durchschreiben muss, sondern es auch funktioniert, Szene für Szene zu schreiben.
Und dass man manchmal trotz drohender Deadline ins Bett gehen sollte, wenn man müde ist.

So, und zum Schluss: Natürlich habe ich während des Schreibprozesses auf Twitter meinen Frust geteilt…also gibts jetzt noch das Drama in 140 Zeichen. Viel Spaß 😉 !