Romanprojekt: Startschuss

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Neulich, um genau zu sein, heute vor 2 Wochen, beschlossen Herr T. und ich, dass wir dann jetzt mal anfangen. Eigentlich wollten wir vorher noch ein wenig weiter im lustigen „gebe Dingen Namen“-Spielchen voranschreiten, aber nach drei eher frustrierenden Chats, in denen wir in 2-3 Stunden vielleicht mal 2 oder 3 Namen zustande brachten, die uns gefallen, haben wir das erstmal aufgegeben. Es ist aber auch nicht so leicht. Die Namen sollen schließlich nicht nur gut klingen und zur Person bzw. zur Sache passen, sondern möglichst auch noch nicht (oder zumindest nicht zu offensichtlich) einer irdischen Sprache entnommen sein. Immerhin spielt das Ganze ja in einer anderen Welt. Wir haben zwar durchaus auch schon Namen dabei, die man in einer irdischen Sprache findet, allerdings sollen es halt nicht noch mehr davon werden.

Also haben wir beschlossen, nun einfach anzufangen und das Namensfinden nebenher zu machen. Vermutlich ist das auch der bessere Weg. Noch weitere 3 Stunden erfolglose Namenssuche und ich hätte vorgeschlagen, alle männlichen Charaktere Horst-Bob und alle weiblichen Horstine-Bobine zu nennen.

Tja, nun soll ich also bis zum Wochenende das erste Kapitel geschrieben haben und wie das immer so ist, habe ich noch nicht wirklich angefangen. Also ich habe schon angefangen, allerdings fing ich damit an, einen Charakter auf die Uhr gucken zu lassen, woraufhin mir auffiel, dass wir zwar schon festgelegt hatten, dass unser Tag aus Gründen ™ nicht aus 24 Stunden besteht, allerdings nicht, wie unsere Zeiteinheiten denn nun eigentlich heißen. Also hab ich erstmal ne ganze Weile überlegt, wie man das wohl nennen könnte und ob lieber mit lustigen fancy Begriffen oder eher irdisch angelegt oder oder oder … zack, war ne Stunde um und geschrieben wurde nicht allzu viel. Aber naja. Ein paar Tage hab ich ja noch. Und das erste Kapitel wird eh noch 17 Mal umgeschrieben. Mindestens.

Jetzt hoffe ich, dass ich bis zum Wochenende den ersten Entwurf dann mal zu Ende kriege. Jedenfalls geht es jetzt los. So wirklich. Zu Hülf!

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Romantik, elende.

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[Ich schreibe hier über Hintergründe und Entstehung dieser Kurzgeschichte und spoilere auch deren Inhalt, also, wenn ihr sie noch nicht gelesen habt, am besten erstmal hier klicken 😉 ]

Auch wenn ich nicht weiß, ob es jemanden interessiert, wollte ich mal über die Entstehung meiner letzten Geschichte schreiben, weil ich dadurch mal wieder ein paar neue Erkenntnisse über meinen Schreibprozess hatte.

Zunächst mal will ich aber eine kleine Erklärung für alle bereitstellen, die das Universum, in dem das Ganze spielt, nicht kennen. Ihr habt alle brav „The Big Bang Theory“ oder „Community“ geschaut und wisst deswegen, was ein Fantasy- Rollenspiel ist? Ja? Wenn nicht, gibt es hier eine Erklärung. Eins der ältesten und bekanntesten deutschen Rollenspiele ist Das Schwarze Auge und in dessen Welt, nämlich dem fiktiven Kontintent Aventurien, spielt die Geschichte. Das beschriebene Setting ist im Prinzip einfach ein nördliches Grasland, vielleicht so ein bisschen wie eine flache Landschaft in Schweden, das muss man sich jetzt gar nicht so abgehoben vorstellen; die Zeit entspricht so irgendwas zwischen Früh- und Spätmittelalter. Und da gibt es halt ein kleines Dorf, in dem die beiden Hauptfiguren wohnen. Soweit, so gut.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Nivesen, ein Volk von Nomaden, die mit ihren Viehherden (die Tiere heißen Karene und sind sowas wie Antilopen) durch den Norden ziehen. Im Sommer und Winter bleiben sie jeweils länger an einem Ort, ehe sie dann im Frühling/Herbst wieder aufbrechen. Sie richten ihr Leben ganz nach dem Wandern mit der Herde aus und sind sehr naturverbunden. Ihre spirituellen Führer sind die Schamanen (Kaskju), die auch tatsächlich zaubern können (Fantasy-Welt halt). Die Nivesen glauben an die Himmelswölfe, ein Pantheon verschiedener Wolfsgestalten, die für verschiedene Aspekte des Lebens stehen. Sie haben deswegen auch eine besondere Beziehung zu Wölfen und einige von ihnen, die so genannten Wolfskinder, können sich auch tatsächlich in Wölfe verwandeln. Nicht unwillentlich bei Vollmond wie ein Werwolf, sondern mit Absicht. Wobei es beim „Erwachen“ dieser Fähigkeit im jugendlichen Alter halt auch mal aus Versehen passieren kann, wenn die Person wütend ist, Schmerzen hat, erregt ist, usw.

So, ich glaube, das ist an Hintergrund alles, was man für die Geschichte so wissen muss.

Wenn man in einem „vorgefertigten“ Universum schreibt, hat das natürlich Vor- und Nachteile, die wohl auf der Hand liegen. Man kann sich nicht alles Mögliche ausdenken, sondern muss in der Welt bleiben, im Gegenzug hat man aber auch sehr viel Hintergrund, aus dem man schöpfen kann. Zudem ist die DSA-Welt so groß und vielfältig, dass man eigentlich so ziemlich jeden „Fäntelalter“-Ansatz unterbringen kann, der einem einfällt.
Die Nivesen habe ich mir als Thema ausgesucht, weil ich sie spannend finde und weil es zu ihnen auch noch nicht Dutzende von Geschichten gibt. Ich habe aber bewusst als Erzähler denjenigen gewählt, der am wenigsten über die Nivesen und ihre Kultur weiß, damit die Leser sozusagen zusammen mit Elpje mehr über sie erfahren.

Und was ist nun mit der elenden Romantik?

Nun ja. Nachdem die letzten beiden Geschichten, die ich schrieb, eher düster waren, wollte ich diesmal etwas romantisch-melancholisches Schreiben. Etwas, was dieses Gefühl einfängt, das man hat, wenn man auf etwas zurückblickt und weiß, dass es vorbei ist, aber nichts davon bereut, weil es schön war.
Deswegen habe ich mich entschieden, eine Liebesgeschichte zu schreiben, die kein Happy End hat. Ich fand ja, dass die Geschichte am Ende eigentlich trotzdem noch ganz nett ausgeht, da zumindest eine der Personen die Bestimmung in ihrem Leben gefunden hat – die bisherigen Leser waren da eher anderer Meinung und fanden das Ende ziemlich traurig.

Tja, und dann diese elende Romantik. Junge und Mädchen, erste Liebe, Sommer, laue Nächte, Verheißung liegt in der Luft … und ich verzweifelte beim Schreiben. Ich war im Stress, die Geschichte musste fertig werden, nebenher waren neben Arbeit und Terminen noch viele andere Sachen zu tun, und statt irgendwie halbwegs in die Stimmung zu kommen, die der Text vermitteln sollte, war ich eher in einem „Narfgnahscheißtext, gehorche mir!!“-Modus. Und dann fiel mir auch noch kein toller erster Satz ein, was – ich schrieb ja schon über meine Erster-Satz-Manie – natürlich besonders blöd war.

Hinzu kommt, dass ich irgendwie immer noch die elendige, romantische Vorstellung habe, dass ich einfach nur warten muss, bis ich in der richtigen Stimmung bin und genug Zeit habe, damit der Text dann quasi in einer Welle von Kreativität einfach aus mir herausfließt. (Das Blöde daran ist, dass ich dieser Meinung bin, weil das ein paar Mal auch wirklich genauso funktioniert hat.) Nun kann man aber nicht drauf warten, dass einen das Kreativitätsatom trifft, wenn man eine Deadline hat. Also hab ich mich notgedrungen hingesetzt und losgelegt. Dabei habe ich dann, weil ich nicht wusste, wie ich anfangen soll, erstmal mit der Szene begonnen, die ich schon einigermaßen im Kopf hatte und mich dann Szene für Szene vorgearbeitet, mal zu Hause am PC, mal im Café mit Notizbuch und Kugelschreiber. Meine besondere Angst-Szene war die Liebesnacht. Es war nämlich tatsächlich das erste Mal, das ich eine (wenn auch sehr harmlose) Sex-Szene geschrieben habe. Und dann natürlich auch gleich aus Sicht des anderen Geschlechts und noch dazu erzählt von einem 15-jährigen Jungen. Argh! Schlussendlich hab ich an einem Tag dann bis ziemlich spät nachts (für meine Verhältnisse) daran geschrieben, es dann einfach abgespeichert und gehofft, dass ich es beim Lesen am nächsten Tag nicht total scheiße finde. War dann zum Glück nicht so.

(Aber, und das ist weniger witzig, das lange Wachbleiben und Schreiben war im Nachhinein eine wirklich blöde Idee. Ich dachte zwar erst „naja, bin ich halt nen Tag lang müde, ist ja nicht so schlimm“. Tatsächlich habe ich dann eine Woche flachgelegen, weil ich einen so üblen Migräneanfall hatte, dass ich an einem Tag sogar den Notarzt rufen musste *seufz*. War also doch nicht so die beste Idee aller Zeiten.)

Jedenfalls hab ich inzwischen wohl wirklich mal verstanden, dass es durchaus funktioniert, auch zu schreiben, wenn man eigentlich grad nicht in der Stimmung ist. Dass ich einen Text nicht von vorne bis hinten in einem Guss durchschreiben muss, sondern es auch funktioniert, Szene für Szene zu schreiben.
Und dass man manchmal trotz drohender Deadline ins Bett gehen sollte, wenn man müde ist.

So, und zum Schluss: Natürlich habe ich während des Schreibprozesses auf Twitter meinen Frust geteilt…also gibts jetzt noch das Drama in 140 Zeichen. Viel Spaß 😉 !

Jubiläum: Das Romanprojekt wird 2 Jahre alt

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Heute, am 2. Juli 2014, findet ein Jubiläum statt. Dieses Jubiläum betrifft genau zwei Menschen, aber ich möchte trotzdem drüber schreiben – und gleichzeitig endlich mal ein wenig über das Romanprojekt erzählen. Welches heute, ihr ahnt es schon, zwei Jahre alt wird.

Es begab sich also vor mehr als zwei Jahren, dass ich in meinem Stamm-Internetforum mit einem anderen User, nennen wir ihn mal den Herrn T., begann, übers Schreiben zu reden. Der Herr T. ist nämlich fleißiger als ich und hat schon zwei Romane zu Ende geschrieben. Und irgendwie dachte ich mir eines Tages, dass man sich ja mal übers Schreiben austauschen konnte, was dann auch geschah. Heute vor 2 Jahren also chatteten wir mal wieder per ICQ (ja, SO lange ist das schon her, dass ich damals noch ICQ aufm Rechner hatte *g*) und ich fragte ihn dann, ob wir nicht mal zusammen was schreiben wollen. Was Kleines. Eine Kurzgeschichte oder so.

Gestern haben wir die Planung für Kapitel 70 des Romans beendet.

Wie man sieht: Es uferte etwas aus. Wir fanden schnell eine grundsätzliche Idee, ein Baustein stapelte sich auf den anderen und es war ganz schnell klar, dass der Stoff für mehr als eine Kurzgeschichte gemacht war. Also legten wir dann los und beschäftigten uns lange erstmal mit dem Ersinnen der Welt und der Charaktere. Das nahm eine ganze Weile in Anspruch und wurde natürlich nicht leichter dadurch, dass ich in Hamburg wohnte und Herr T. in Freiburg, am anderen Ende der Republik. Inzwischen ist er etwas weiter nach Norden gezogen und wir haben uns auch schon mehrfach zur Planung getroffen, der Großteil fand aber doch per Skype statt. Und so entwickelte sich in wöchentlichen Chats langsam alles vor sich hin – die Welt und ihre Geschichte wurden ersonnen, Charakterkonzepte wurden zu Figuren mit Namen, Aussehen und Hintergrund, und der Plot ist inzwischen komplett geplant und in eine lange Stichpunktliste und eine Handlungstabelle gestopft. Aktuell beschäftigen wir uns damit, die Kapitel einzuteilen und festzulegen, was in welcher Reihenfolge und aus wessen Sicht erzählt wird. Und dann kann es auch bald losgehen.

Denn, tatsächlich, geschrieben haben wir an sich noch nichts. Natürlich haben wir relativ  zu Anfang geprüft, ob wir mit dem Schreibstil des jeweils anderen leben können und jeder zwei Probeszenen geschrieben. Aber richtig loslegen werden wir erst, wenn alles fertig geplant ist, was nun bald der Fall sein dürfte. Vorher dürfen wir uns dann noch darum prügeln, wer welchen Charakter schreibt.

Wenn ich von dem Projekt erzähle, werde ich ganz oft gefragt, wie das denn geht, mit zwei Leuten an einem Roman zu arbeiten. Viele können es sich auch gar nicht vorstellen, nicht die komplette Hoheit über das Geschriebene zu haben. Tatsächlich gibt es natürlich sowohl Schwierigkeiten als auch Vorteile daran, zu zweit zu schreiben. Der größte Vorteil für mich ist, dass es eben noch eine andere Person gibt und es somit viel leichter ist, sich regelmäßig mit der Geschichte zu befassen  und nicht mal wieder 4-6 Monate in ein kreatives Loch zu fallen und einfach gar nix zu tun. Das passiert halt nicht, wenn man sich immer gegenseitig motiviert, weiterzumachen. Außerdem hat man natürlich zwei kreative Köpfe, die sich mit einer Sache befassen und Ideen entwickeln, so dass man weniger oft den Punkt erreicht hat, wo einem nix mehr einfällt. Und schließlich kontrolliert man sich natürlich auch gegenseitig und merkt es, wenn man droht, in eine erzählerische Sackgasse zu rutschen oder irgendwas unplausibel wird. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Schwierigkeiten. Beispielsweise stellt man sich ganz oft Sachen im Kopf so und so vor, redet dann darüber und merkt, dass sich die Vorstellung des Schreibpartners doch mehr oder weniger stark unterscheidet. Oder (meine Spezialität) man geht davon aus, dass man sich über Dinge schon unterhalten hat, auch wenn man nur selber drüber nachgedacht hat und der andere noch gar nix von der Idee oder der Vorstellung weiß. Das ist so oft passiert, dass ich monatelang in besagtem Forum „In meinem Kopf sah das anders aus!“ in der Signatur stehen hatte. *g* Und klar, man ist sich auch mal uneins, sowohl über die Entwicklung von Charakteren als auch über Handlungsdetails. Dann muss man halt entweder Kompromisse machen oder für seine Lieblingsversion argumentieren und irgendwie findet man dann immer was, mit dem beide leben können. Und naja, wenn wir uns über ZU viele Sachen uneins wären, wären wir wohl auch gar nicht so weit gekommen.

Ganz praktisch wird das Ganze übrigens so aussehen, dass wir die Geschichte aus der Sicht von verschiedenen Charakteren erzählen und die Charakere unter uns aufteilen. Damit umgehen wir das Problem, dass zwei Personen die Innenschau ein und desselben Charakters kontinuierlich erzählen müssen. Gleichzeitig sind wir beide große Fans von einer solchen Erzählweise. Ich hoffe, dass das gut funktionieren wird, bin aber optimistisch.

Was ich am Anfang nicht erwartet hatte, war, wie schnell diese fiktive Welt und diese fiktiven Figuren irgendwie…in der eigenen gedanklichen Realität verankert werden. Am Anfang war es noch ein Wust an Ideen und Entwürfen, aber inzwischen ist das in meinem Kopf alles so lebendig und vorhanden, als wäre es eine schon ewig etabliert und als hätte gar nicht ich es (zur Hälfte) ausgedacht. Ein sehr seltsames Gefühl, ich weiß nicht, ob man das nachvollziehen kann. Es mach auf jeden Fall sehr viel Spaß, wenn man auf einmal merkt, dass man seit 30 Minuten über die Entwicklung einer Figur diskutiert, die es vor 2 Jahren schlicht noch nicht gab.

So, und jetzt wollt ihr bestimmt alle wissen, was es denn für ein Roman wird, ne? Natürlich kann ich nicht allzu viel verraten, man will ja nicht seine Ideen unvorsichtig in dieses Internet blöken und dann passiert wer weiß was damit. Das versteht ihr hoffentlich?

Aber ein bisschen was kann ich natürlich verraten.

Es wird ein Urban-Fantasy-Roman mit Steampunk-Einschlag. Urban ist in dem Fall recht wörtlich zu nehmen, Schauplatz ist nämlich in der Tat nur eine einzige, riesige Stadt, deren Konzeption – hoffe ich – recht ungewöhnlich ist und auch viele spannende Schauplätze zu bieten hat. Unser „Main Cast“ (die mit Einträgen in der Plot-Tabelle *g*) besteht aus 12 Personen, die an unterschiedlichsten Ecken und Enden der Stadt zu Hause sind. Und natürlich passiert am Anfang etwas, was dazu führt, dass sich ihre Wege hier und da kreuzen. Zur Handlung mag ich natürlich auch nicht viel verraten, aber es gibt Diebstähle, zwielichtige Kneipen, religiöse Konflikte und eine mechanische Katze. Es sterben einige Leute, sehr viel mehr Leute sterben nicht, Loyalitäten und Bündnisse verschieben sich und die Geschichte der Stadt spielt auch eine Rolle. Es ist insgesamt relativ bodenständig, also ohne viele übernatürliche Elemente, ein wenig Übernatürliches mit mythologischem Einschlag gibt es aber schon.

So. Das soll für den Anfang erstmal reichen. Ich werde sicherlich in Absprache mit meinem Schreibpartner hier ab und zu berichten, wie es voran geht.

Also – frohes Jubiläum, kleiner Roman. Bald gehts richtig los!

Blogchallenge: Writing 101 – Aufgabe 1

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Es gibt aktuell eine Blogchallenge der Blogging University, die sich Writing 101 nennt. Drüber gestolpert bin ich über Julie, vielen Dank nochmal an dich! Soweit ich es richtig verstanden habe, gibt es jeden Tag Aufgaben zum Thema Schreiben, die man im eigenen Blog bearbeiten kann. Auch wenn der Zeitpunkt etwas ungünstig ist, da ich nächste Woche im Urlaub bin, versuche ich mal, so viel wie möglich daran teilzunehmen.

Die erste Aufgabe lautet:

To get started, let’s loosen up. Let’s unlock the mind. Today, take twenty minutes to free write. And don’t think about what you’ll write. Just write.

20 Minuten. Klingt ganz schön lang. Na denn mal los. Weiterlesen

Famous first words

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Ich mag keine Klappentexte. Wenn es irgendwie geht, vermeide ich es, bei einem Buch zu lange auf die Rückseite zu schauen. Warum? Erstens verraten die dortigen Inhaltsangaben meistens schonmal Seite 1 – 130 des Buches, zweitens sind sie meistens sehr lobhudelig bis reißerisch und jeder von ihnen preist natürlich das Buch als das die beste Erfindung seit der des Rades an. Inzwischen lasse ich mich also viel eher von Empfehlungen oder Rezensionen leiten. Den Ausschlag, ob ich mir das Buch dann wirklich zulege, gibt aber oft der berühmte erste Satz.

Nun gut, sagen wir: Die ersten 2-3 Seiten. So viel lese ich mir dann in der Buchhandlung oder beim „Blick ins Buch“ doch durch. Danach weiß ich meist, ob der Schreibstil mir zusagt oder nicht und danach entscheide ich dann, ob ich das Buch kaufe.

Dennoch hat – das wissen wohl die meisten, die selbst schreiben oder aufmerksam lesen – der erste Satz eine gewisse Bedeutung. Es gibt ja das Sprichwort, dass es keine zweite Chance für den ersten Eindruck gibt. Das gilt so ähnlich auch für den Anfang eines Textes. Die ersten Sätze sind entscheidend dafür, ob die Aufmerksamkeit des Lesers geweckt wird. Und zumindest ich finde, dass der erste Satz einfach irgendwie prägnant sein muss. Wenn ich den ersten Satz lese, will ich sofort das Bedürfnis haben, mehr zu erfahren, weiterzulesen, ich möchte, dass er Fragen aufwirft und Neugierde weckt.

Mit meiner Meinung über die Wichtigkeit von ersten Sätzen bin ich auch nicht allein, es gibt zumindest ganze Sammlungen oder Hitlisten zu dem Thema.

Ich geb auch gerne ein paar Beispiele, die mir besonders gut gefallen.

„‚A burning map. Every epic,‘ my friend Jack used to say, ’should start with a burning map.'“(Hal Duncan: The Book of all Hours)

„Tyler gets me a job as a waiter, after that Tyler’s pushing a gun in my mouth and saying, the first step to eternal life is you have to die.“(Chuck Palahniuk: Fight Club)

„Snowman wakes before dawn.“ (Margaret Atwood: Oryx and Crake)

„It begins, as most things begin, with a song.“ (Neil Gaiman: Anansi Boys)

„The lights went out in the Nameless Bar just after nine.“ (Nick Harkaway: The gone-away world.)

Ich könnte noch weitermachen, aber ich glaube, man versteht, was ich meine. Bei jedem dieser Sätze wollte ich wissen, was dahinter steckt. Was soll die brennende Landkarte? Wen will Tyler da warum erschießen und was hat das mit dem ewigen Leben zu tun? Warum hat die Bar keinen Namen und wieso geht das Licht aus? Der Satz von Neil Gaiman ist weniger spannend als poetisch – was für mich aber auch ein Grund ist, um weiterzulesen.

Beim eigenen Schreiben versuche ich auch darauf zu achten, den ersten Satz so zu gestalten, dass er zum Weiterlesen einlädt. Das fällt manchmal leicht – bei der Kurzgeschichte für die Lesetage war der erste Satz quasi sofort in meinem Kopf, als ich die grundsätzliche Idee hatte -, manchmal aber auch recht schwer. Es geht ja nicht darum, irgendwas hinzuschreiben, das möglichst skurril, toll, spannend oder interessant klingt, es muss ja auch noch was mit dem Rest der Geschichte zu tun haben. In den Beispielen oben wird in drei Sätzen eine Figur des Buches vorgestellt, in einem ein wichtiger Schauplatz. Wenn der erste Satz gut gelungen ist, kann man oft am Ende des Buches nochmal zurückblättern und sieht, dass die ersten Zeilen die Stimmung und/oder das Setting des ganzen Buches umreißen. Denn ja, die brennende Landkarte ist durchaus eine gute Illustration für „The Book of all Hours“ und die Bar ohne Namen, in der auf einmal etwas Unvorhergesehenes passiert, gibt einen guten Ausblick auf das Setting in „The gone-away world.“

Im Gegensatz zu der vielleicht verbreiteten Meinung, der erste Satz sei eben das, was man zuerst hingeschrieben habe, ist eher das Gegenteil der Fall. Oft bringt es was, den ersten Absatz einer Geschichte zu kürzen oder ganz zu löschen, falls man diesen eher benutzt hat, um sich „warmzuschreiben“. Was im Umkehrschluss auch heißt: Keinen perfekten Einstieg in die Geschichte zu haben ist kein Grund, nicht erstmal anzufangen. Ändern kann man den Anfang nachher immer noch.

So – und weil das hier ja mein Schreibblog ist und ich nicht die ganze Zeit nur über anderer Leute Arbeit reden will, gibt es jetzt einige erste Sätze von mir:

Meine Geschichte beginnt damit, dass eine tote Möwe auf meiner Fensterbank liegt und wird damit enden, dass der Himmel über mir einstürzt und die Trümmer meiner Welt im Meer versinken.
(Noch nicht beendete Kurzgeschichte)

Es regnete, als wir uns begegneten.
(„Einsamkeit“, Kurzgeschichte (2004))

Wer hier aussteigt, hat verloren. Irgendwas, irgendwen. Irgendwann.
(Kapitel 1 eines noch nicht näher definierten Projekts, viel mehr gibt es noch nicht.)

„Wann haben wir angefangen, so zu werden wie sie?“
(„Um jeden Preis“, Kurzgeschichte, 2013, zu lesen hier)

Der Tod ist in ihr Bett geschlichen und hält sie in seinen Armen.
(Erinnerungen meiner Heldin aus dem Jahr des Feuers – 4 Jahre danach.)

Hier unten sehen selbst die Lebenden tot aus.
(Kapitel II des oben genannten, noch nicht näher definierten Projekts.)

Dunkle Stunden liegen hinter uns, ungewisse vor uns.
(Jahr des Feuers-Chronik, Prolog zu „Aus der Asche“)

Schnee und Asche taumelten vom Himmel und die Luft schmeckte nach Tod.
(Jahr des Feuers-Chronik, Die Schlacht der Drei Kaiser)

Ich schreibe dir ein Märchenbuch.
(„Was einmal war“, die Kurzgeschichte für die Lesung nächste Woche – ab nächster Woche dann auch hier im Blog)

Und? Hättet ihr weiterlesen wollen?

Die Sache mit den Märchen

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Vom 13. bis 17. April 2014 finden in Hamburg die HEW-Lesetage statt. Diese  gibt es  seit 2011 und sie entstanden urprünglich als Konkurrenz zu den Vattenfall-Lesetagen und als Protest dagegen, dass der Stromkonzern, der in besagter Zeit vor allem durch die Pannen in den norddeutschen Atomkraftwerken von sich reden machte, mit dem Sponsoring eines Literaturfestivals sein Image aufpolierte. Inzwischen hat Vattenfall übrigens die Lesetage aufgegeben.

Was hat das nun mit diesem Blog und vor allem mit Märchen zu tun? Da muss ich ein bisschen ausholen. Ich habe diesen Winter einen Schreibkurs gemacht, und zwar in der Schreibwerkstatt des Textprojektes. Das waren zwei Module mit jeweils acht Sitzungen, im ersten Modul ging es sehr viel um Grundsätzliches (z. B. um das Erstellen von Plots und Charakteren), im zweiten dann mehr an die tätsächliche Herangehensweise (Perspektive, Umgang mit Zeit, verschiedene Erzählformen, etc.) Dazu gab es dann zwischen den Stunden immer Hausaufgaben, die bearbeitet werden sollten. Das war super, weil ich mich dann zwangsläufig immer irgendwie mit Schreibdingen befassen musste. Jetzt ist Modul 2 leider zu Ende und Modul 3 dreht sich um die Überarbeitung – dazu muss man aber erstmal was haben, was überarbeitet werden will. Deswegen also aktuell kein Modul 3 für mich.

Jeeeedenfalls ist die Schreibwerkstatt auch bei den HEW-Lesetagen dabei, und zwar am 14. und 16. April jeweils ab 19:30 Uhr. Und, ihr ahnt es schon, ich werde auch daran teilnehmen. Gestern ist endlich mein Text fertig geworden und liegt jetzt beim Kursleiter der Schreibwerkstatt, der ihn begutachten und lektorieren wird. Prompt habe ich natürlich heute Nacht davon geträumt, dass er ihn total scheiße findet. :/ (Das Lustige am Traum war, dass ich keine Mail zurückbekam, sondern den Text, per Hand abgeschrieben, auf A3-Format, mit handschriftlichen roten Änderungen drin. Überbracht in einer Ledermappe von einem Boten. Ja, nee, is klar.)

Was das nun mit Märchen zu tun hat? Folgendes: Vor ein paar Wochen ging auf Tumblr dieser Beitrag herum, in dem es um weibliche Figuren in Märchen geht und der Alternativen zum klassischen Märchen (in dem die Prinzessinnen und braven Töchter irgendwelcher Leute ja oft sehr passiv sind) vorstellt. Als ich das gelesen habe, war mir klar, dass ich unbedingt so etwas in die Richtung schreiben möchte. Das Problem ist natürlich, dass ich mich nicht zu sehr am obigen Text orientieren wollte und auch nicht einfach nur ein Märchen umschreiben. Am Ende sind die Märchen eine Hälfte der Geschichte geworden (ich habe auch versucht, so wenig wie möglich in dem verlinkten Text genannte Personen zu verwenden – drei Stück sind es dann doch geworden), die andere Hälfte ist eine nicht sehr nette Geschichte über Verlust und Rache.

Sobald die Lesetage vorbei sind, werde ich die Geschichte wohl auch hier einstellen. Es sei denn, der Kursleiter zerreißt sie in der Luft…

Also wünscht mir Glück.

Getting started

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Das mit dem Schreiben ist manchmal so eine Sache. Ich wälze Gedanken und Ideen, so viele Dinge fallen mir ein, werden in Notizbüchern festgehalten oder hektisch nachts kurz vom Einschlafen ins Handy notiert. So viel Kram in meinem Kopf, der eigentlich dringend geordnet, durchdacht und zu Papier gebracht werden müsste. Leider scheitert es meist am letzten Punkt. Da ist die Arbeit und man muss schlafen und essen und kochen und Freunde treffen und anderen Hobbies nachgehen und und und. Ausreden gibt es immer, und wenn es die nächste superspannende Serie ist, die man suchtartig gucken muss.

Was bleibt, ist Wortstoh im Kopf, das raschelt und keine Ruhe gibt.

(Danke übrigens an die wunderbare Judith C. Vogt, die mich auf das Wort und somit den Blogtitel brachte.)

Deshalb nun also dieser Blog. Ob es hilft, übers Schreiben zu schreiben und hier gelegentlich die fertigen Produkte zu veröffentlichen, wird man sehen. Aber ich muss und will es wenigstens versuchen.

Zum Design: Das lustige Design mit den Monstern sprang mich geradezu an und der Vergleich eines Schreibenden mit Frankenstein, der sein Monster kreiert, ist ja auch nicht allzuweit hergeholt. Ich hoffe also auf viele Monster, die meinem Hirn entspringen und den Weg hierher finden.